Skip to main content

AI für Musikvideos und ganz allgemein

Wahrscheinlich haben es die meisten mitbekommen, dass das Lyric-Video zu Bussi mit Hilfe von AI-Tools entstanden ist. Das Thema generative AI wird ja nicht gerade wenig diskutiert, die Bandbreite der Meinungen zum Einfluss dieser Tools reicht von „Wir werden alle sterben“ bis zu „Es wird alles super“.
Probleme haben und liefern diese Tools natürlich auch genügend: Es beginnt beim Thema Urheberrecht, da diese Werkzeuge eben nur reproduzieren und remixen können, was sie schon kennen, zur in ersten Studien nachgewiesenen Gefahr der Verdummung durch übermäßigen Gebrauch dieser Tools statt dem eigenen Hirn über teils lebensgefährlichen Tipps dieser Tools (man denke nur an die Empfehlung Käse auf der Pizza festzukleben) bis hin zu Jobverlusten.
Auf der anderen Seite kommt dann das Argument, dass Menschen mit Hilfe dieser Tools Dinge machen können, die sie vorher nicht machen konnten, diese Tools Ideen umsetzen von Menschen, denen die Technik fehlt solche Sachen selbst umzusetzen, ob Videos, Musik oder Programmcode.

Bevor ich jetzt hier meine durch technisches Hintergrundwissen belastete, persönliche Meinung dazu ausbreite, frage ich mal wieder Euch: Wie seht Ihr das? Stört Euch die Nutzung von AI-Tools im Kreativbereich? Ist es Euch egal? Lehnt Ihr es ab? Sagt Ihr immer schön danke zu ChatGPT & Co., nachdem sie Eure Fragen beantwortet haben für den Terminator-Fall („Nein, den bringen wir nicht um, er war immer höflich zu unserem Ur-Ur-Ur-Ur-Code…“)?

Roman

Ich finde, du hast da schon die wichtigsten Aspekte genannt, positiv wie negativ. Und weil es gute Argumente für und gegen AI gibt, kann man neutral auch keine eindeutige Bewertung abgeben. Muss auch gar nicht sein. Im Endeffekt muss man letztlich akzeptieren, dass das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz angebrochen ist und die Welt verändert. Es gibt Gewinner, Verlierer und wir leben etwas anders als in der Zeit vorher (manche betrifft es stärker, andere weniger...). Und weil man das nicht grundsätzlich ändern kann, geht es also darum, wie wir damit umgehen, persönlich, gesellschaftlich und politisch.

Ich persönlich sehe auch beide Seiten der Medaille. Gelegentlich nutze ich ChatGPT und sehe klar die Vorteile. Aber die Grenzen und krasse Fehlinformationen, die der Chatbot produziert, habe ich selbst auch schon häufig erlebt.

Ein Beispiel, das zeigt, wie ich die neue Technik je nach Situation auch sehr zu schätzen weiß oder ablehne, ist meine eigene kreative Arbeit: Seit einiger Zeit habe ich Spaß daran gefunden, Amateur-Hörspiele zu erstellen (rein zum Spaß, ohne Monetarisierungsabsichten). Ich schreibe die Texte, nehme das Ganze mit Freunden auf und bastle dann daraus die fertigen Produkte. Dabei lehne ich es konsequent und auch emotional ab, Texte von AI schreiben zu lassen. Das sehe ich als meinen wichtigsten kreativen Beitrag, der die Seele des Projekts ausmacht. Das einer künstlichen Intelligenz zu überlassen, abgesehen von der Qualität, fühlt sich einfach völlig falsch an.

Auf der anderen Seite veröffentliche ich das unter anderem Bei YouTube. Und weil das eine Videoplattform ist, möchte ich die Geschichten zumindest mit ein paar Standbildern hinterlegen. Zeichnen etc. gehört nicht zu meinen Kompetenzen. Für die Coverbilder der Hörspiele schwingt eine Freundin immer den Pinsel, was ich super finde, aber ganze Bilderserien für die erwähnten Standbilder sind an dieser Stelle einfach nicht drin. Und hier bin ich einfach froh, mir heutzutage Bilder erstellen lassen zu können. Das ist teilweise auch ein ziemlicher Krampf – unfassbar, was da teilweise rauskommt. Wenn man AI einfach machen lässt, ist es sehr beeindruckend, was möglich ist. Aber je präziser die eigenen Wünsche ans Ergebnis sind, desto größer ist die Verzweiflung. ;)

Egal – am Ende kriege ich so eine Bebilderung hin, die sonst einfach nicht möglich gewesen wäre. Und genau da sehe ich die großen Vorteile im Kreativen Bereich: AI füllt Lücken und ermöglicht so Projekte, die früher unmöglich gewesen wären.

Um den Bogen zu J.B.O. zu schlagen: Die Musik möchten wir schon gerne menschengemacht haben, aber wenn ein einrahmendes Video AI-generiert ist, macht es das Lied nicht schlechter und beschert uns einen Mehrwert. Gerade im Profi-Bereich sollte man aber auch möglichst aufpassen, dass man die Technik eher ergänzend als ersetzend nutzt. Wäre ja zu schade, wenn es gar keine klassischen Musikvideos mehr gäbe, mit Schauspielerei und von Machern, für die eben diese Videoerstellung das eigene Handwerk, die eigene Leidenschaft ist, die man nicht einfach durch AI verdrängen sollte. Für Amateure, die sich professionelle, handgemachte Videos nicht leisten könnten, auch wenn sie wollten oder als Ergänzung (man macht ja nicht für jeden Song ein Video) bereichert AI uns aber.

Andreas Nagel

Ich möchte einmal das Thema AI-Training etwas beleuchten.

Es gibt viele Menschen denen es zuwider ist, das AI durch Bilder, Songs, also Werke anderer Künstler trainiert werden. AI würde diese ja nur "kopieren", bla, bla....

Dazu Stelle ich die Frage, wie lernen wir Menschen, woher bekommen wir unsere Inspiration um eigene Werke zu schaffen?

Richtig, wie ahmen nach. Wir kopieren das Handeln unserer Eltern im Babyalter, wir lernen Sprechen und Sprachen doch "kopieren".

Wir spielen Songs unserer Lieblingsbandes auf der Gitarre nach, sehen sie Werke großer Maler in einer Gallerie etz. p.P. Irgendwann nutzen wir Fragmente dieser Informationen und basteln uns daraus etwas eigenes. Sei es ein Lied, ein Aquarellbild...

Wir sollen also AI den Zugang zu Werken verbieten da es ja nur kopieren würde?

Wenn man AI nur dazu verwendet um YouTube, Spotify und Co mit KI-Songs zu fluten, ja. Besonders, wenn sie mit Namen und im Profil der Künstler auftauchen. (Siehe Majestica und die Punkband Itchy auf Tidal, die übelst kämpfen müssen um den Müll aus ihren Profilen zu bekommen) Dann bitte ja. Wobei die Ursache nicht das Kopieren der AI ist, sondern weil es Menschen gibt, die das auf fragwürdige Weiße nutzen.

Aber wenn man es dazu nutzt um eine fehlende Lücke zu schließen, die ich selber nicht füllen kann weil mir entweder das Geld, das Talent oder die Zeit dazu gefehlt. Warum nicht?

Oder um das Hörbuch Beispiel von Roman nochmals aufzugreifen, was spräche dagegen, den Text des Hörspiels von KI auf Rechtschreibung und Grammatik prüfen zu lassen? Ein Lektorat wird er sich nicht leisten wollen oder gar können.

Was denken ich jetzt speziell über das Video von Bussi? Nun, da ich kaum noch Videos schaue, seitdem das Zeitalter von MTV und Viva in den 2010-ern den Bach runter ging sind mir Musikvideos in aller Regel ziemlich egal. Es macht einen Song weder besser noch schlechter und ich muss mich nicht vor YouTube setzen um ein Video mir x-fach anzusehen.

So auch das Video zu Bussi, es ist mir zum jetzigen Zeitpunkt immer noch gänzlich unbekannt.

Carsten Dobschat

Andreas Nagel Ich fange mal damit an, dass du von zwei unterschiedlichen Arten der KI sprichst: Rechtschreib- und Grammatikkorrektur? Kein Ding, das läuft schon seit Jahrzehnten elektronisch und ist durch maschinelles Lernen nur schneller und zuverlässiger geworden. Die Datenbasis ist hier - zumindest nicht zwingend - kein künstlerisches Werk eines Menschen, sondern das sind Regelwerke. Die Art der KI-Nutzung können wir also getrost unter „praktisches Werkzeug“ einsortieren, wie auch zum Beispiel die Bilderkennung auf dem iPhone, die es mir erlaubt in meinem Fotos nach bestimmten Objekten, Tieren oder Personen zu suchen.

Generative KI ist was anderes. Und da hinkt dann auch der Vergleich mit dem menschlichen Lernen. Lese ich ein Buch, dann kenne ich den Inhalt, ich habe es aber nicht auswendig gelernt. Und egal wie viele Ölgemälde ich mir anschaue, ich werde den Stil einer bestimmten Malerin nur mit sehr viel Übung kopieren können usw.
Die Maschinen haben es da leichter: Wenn die ein Buch „lernen“, dann „kennen“ sie nicht einfach den Inhalt, sie „kennen“ das Buch Wort für Wort. Sie haben auch keine Probleme zu kopieren, ist ja alles digital. Das geht weit über das Nachahmen bei Menschen hinaus.
Diese „Generative KI“ ist letztlich nichts weiter als ein Programm mit sehr sehr sehr vielen Referenzdaten, das auf sehr schneller Hardware läuft und dann mit Hilfe von Wahrscheinlichkeitsberechnungen natürliche Sprache interpretiert und in Programmcode übersetzt, der das am wahrscheinlichsten gewünschte Ergebnis durch Kopieren und Remixen des Datenbestands erzeugt. D.h. die Anbieter verdienen Geld damit, dass sie Inhalte in die Datenbank ihrer Tools kippen, dort auf effiziente Art speichern & verknüpfen und diese Tools damit dann Dinge anstellen ohne die Schöpfer:innen dieser Werke dafür zu entlohnen.